Die aktuelle Plenarsitzung des Europäischen Parlaments hat von 10. bis 13. März 2025 stattgefunden.
Die ÖGfE hat sich das Abstimmungsverhalten der österreichischen EU-Abgeordneten zu ausgewählten Punkten der Tagesordnung angesehen. Die namentlichen Abstimmungen behandelten die folgenden Themen
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Parlament billigt neuen Hilfsplan für Moldawien
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Abkommen zwischen der EU und Kanada über Fluggastdaten
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EU soll politischen Übergang und Wiederaufbau in Syrien unterstützen
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EU soll zu soliden Sicherheitsgarantien für die Ukraine beitragen
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Parlament drängt EU für die eigene Sicherheit zu sorgen
Abstimmungsverhalten der österreichischen EU-Abgeordneten ->
Parlament billigt neuen Hilfsplan für Moldawien
Die Abgeordneten gaben grünes Licht für eine neue Unterstützungsfazilität im Umfang von 1,9 Mrd. Euro für die Republik Moldau, die sich auf eine bessere Finanzierung und demokratische Kontrolle konzentriert. Mit Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen soll die Fazilität Moldau bei der Bewältigung der großen Herausforderungen unterstützen, vor denen das Land steht, insbesondere bei den tiefgreifenden Auswirkungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf Sicherheit, Wirtschaft und Bevölkerung des Landes. Das Instrument soll zudem die Widerstandsfähigkeit Moldaus gegen hybride russische Angriffe und Eingriffe in seine demokratischen Prozesse und Institutionen stärken.
Abkommen zwischen der EU und Kanada über Fluggastdaten
Das Parlament billigte ein Abkommen über die Übermittlung von Fluggastdatensätzen aus der EU an Kanada und deren Verarbeitung. Fluggastdaten umfassen Reisedaten und Reiserouten der Passagiere, Kontaktdaten, Sitzplatznummern und Gepäckinformationen. Das Abkommen regelt die Übermittlung dieser Daten an Kanada und deren Verarbeitung, verbietet die Verarbeitung sensibler Daten, stellt sicher, dass Einzelpersonen auf ihre Daten zugreifen und Ungenauigkeiten korrigieren können, und legt unter anderem die Aufbewahrungsfristen der Daten fest. Die kanadischen Behörden verpflichten sich außerdem Fluggastdaten, die sie im Rahmen des Abkommens erhalten haben, an ihre EU-Partner (Europol, Eurojust und nationale Behörden) weiterzugeben.
EU soll politischen Übergang und Wiederaufbau in Syrien unterstützen
Das Parlament forderte die EU auf, einen von Syrien geführten politischen Übergang zu unterstützen, damit das Land vereint und wiederaufgebaut werde. Am Übergang in Syrien sollten VertreterInnen aller Teile der syrischen Gesellschaft und aller geografischen Gebiete beteiligt sein. Die Abgeordneten begrüßten die Bereitstellung von 235 Mio. Euro an neuer humanitärer Hilfe und forderten die EU auf, den Wiederaufbau in den Bereichen Energie, Wasserversorgung, Gesundheit und Bildung zu unterstützen. Die EU solle darüber hinaus prüfen, wie eingefrorene Vermögenswerte des Assad-Regimes für einen Treuhandfonds für den Wiederaufbau in Syrien und die Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer genutzt werden könnten.
EU soll zu soliden Sicherheitsgarantien für die Ukraine beitragen
Nach dem Rückzug der USA seien die EU und ihre Mitgliedstaaten nun die wichtigsten strategischen Verbündeten der Ukraine und müssten ihre Rolle als größter Geber beibehalten, so die Abgeordneten. Zur Wahrung des Rechts der Ukraine auf Selbstverteidigung muss die dringend benötigte Unterstützung des Landes seitens der EU und ihrer Mitgliedstaaten darum deutlich erhöht werden. Die Abgeordneten begrüßen den Vorschlag für ein 30-tägiges Waffenstillstandsabkommen und erwarteten, dass Russland zustimme und sämtliche Angriffe auf die Ukraine einstelle. Es brauche nun eine „Koalition der Willigen“ unter europäischer Führung zur Durchsetzung eines eventuellen Friedensabkommens. Die Zukunft der Ukraine liege in der EU-Mitgliedschaft, betonten die Abgeordneten, und forderten eine Beschleunigung der Beitrittsgespräche.
Parlament drängt EU für ihre eigene Sicherheit zu sorgen
Das Parlament forderte die EU auf, dringend zu handeln und ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten. So sollen die Partnerschaften mit Gleichgesinnten gestärkt und die Abhängigkeit von Nicht-EU-Ländern in Verteidigungsfragen deutlich verringert werden. In diesem Zusammenhang begrüßten ParlamentarierInnen auch den kürzlich vorgelegten „ReArm Europe“-Plan der Kommission. Um Frieden und Stabilität in Europa zu erreichen, müsse die EU die Ukraine weiterhin unterstützen und mehr Waffen und Munition liefern. Auch die Entscheidungsfindung in der europäischen Verteidigung sollte weniger komplex sein. Anstelle der Beschlussfassung mit Einstimmigkeit sollte zur Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit für EU-Entscheidungen in diesem Bereich übergegangen werden, mit Ausnahme von Militäreinsätzen mit einem Exekutivmandat. Die EU soll so in die Lage versetzen werden, dass Verfahren im Kriegsfall oder bei anderen Krisen größeren Ausmaßes deutlich schneller durchlaufen werden können.
Weitere Höhepunkte
Das Parlament beschloss zwei Resolutionen, in denen die Prioritäten für den nächsten Zyklus der wirtschaftlichen und sozialen Koordinierung festgelegt werden. In der Entschließung zur wirtschaftspolitischen Koordinierung betonen die Abgeordneten u.a. die Notwendigkeit, öffentliche und private Investitionen zu erhöhen, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Unternehmerpotential zu fördern und die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen. Sie zeigten sich außerdem besorgt über das langsame Wachstum und die bevorstehenden turbulenten wirtschaftlichen Zeiten und fordern die Mitgliedstaaten auf, übermäßige Staatsdefizite abzubauen. Sie warnen auch vor steigenden Immobilienpreisen.
In der Entschließung zu den beschäftigungs- und sozialpolitischen Prioritäten betonen die Abgeordneten, wie wichtig es sei, den Verwaltungsaufwand für Unternehmen zu verringern und gleichzeitig die Arbeits- und Sozialstandards zu wahren. Sie sind der Ansicht, dass eine bessere Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen zu mehr Innovation und qualitativ besseren Arbeitsplätzen führen könne. Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, betonen sie die Notwendigkeit von Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung und rufen dazu auf, der Qualifizierung von Arbeitskräften mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Die nächste Plenarsitzung findet von 31.03. bis 03. April 2025 statt.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Schmidt und das Team der ÖGfE